Die Entwicklung der Siedlung 1584 – 1985

(Quelle: Volker Rusteberg, Geschichte des Dorfes Halchter, Wolfenbüttel 1988)

Die älteste bekannte Dorfbeschreibung stammt aus dem Jahr 1584:

„Halchter: das Dorff ligt von der vestung Wolffenbuttel ein vierter wegs ins Süden da dem Ockerfluß, welcher vordem Dorff her ins Osten nach der Vestung fleust, hat ins westen den Sunden. Es wohnen darin 7 Ackerleute, darunter 2 Burgemeier, 3 Halb spenner undt 20 Kothleute. Die Leute heben auff Ihrer Veldtmarck weissen mergel, damit sie ihren Acker düngen und verbessern den Lehm so da stehet ist sandig dienet zum kleben und däuchen woll“.

Abbildung Halchters 1615

Diese Karte zeigt, wie auch die folgenden des 16./17. Jh., allerdings nur mehr oder minder genau die Dorf lage. Die auf den Karten zu erkennenden Häuser und die Kirche sind nur als allgemeine Zeichen für das „Dorf“ zu werten, also nicht als genaue Wiedergabe der Siedlungsstruktur oder -größe.

Deutlich werden aber die die Siedlungsentwicklung bis ins 19. Jh. bestimmenden Faktoren: die östlich das Dorf begrenzende Oker und die westlich am Dorf vorbeiführende (Goslarer) Heerstraße. Dazwischen befand sich das Dorf, dessen Kern sehr wahrscheinlich im südlichen Teil um die Kirche lag. Noch 1747 befanden sich lediglich 3 Häuser, die auch erst in jener Zeit entstanden waren, westlich der Heerstraße: das Gemeindebackhaus, die Brinksitzerstelle von Wiesensee und der Kothof von Julius Lampe.

Die Größe der halchterschen Feldmark wird in jener Zeit (um 1550) durch das Register Ober Landbesitz im Amt Wolfenbüttel erstmals faßbar. Sie wurde mit 57 Hufen 25 Morgen bei 28 Hofstellen angegeben, die Hufe zu 20 Morgen gerechnet wären das 1165 Morgen. Da nur die bewirtschaftete Fläche verzeichnet wurde, waren durch die Dreifelderwirtschaft jährlich ca. 800 Morgen bebaut. Wiese und Anger wurden erst mit der Generallandesvermessung 1747 erfaßt und mit 99 Morgen Wiesen sowie 100 Morgen Anger angegeben.

Aus jener Zeit stammt auch die erste Karte, die die Bebauungssituation des Dorfes genau erfaßte. Insgesamt verzeichnet der „Grundriss des Dorfes Halchter“ von 1747 33 Haus- und Hofstellen: Pfarre/Kirche/Schule, Back- und Hirtenhaus, Rittergut, 4 Ackerhöfe, 4 Halbspänner, 18 Kothöfe und 1 Brinksitzer. Erschlossen wurde die Siedlung durch sechs Stichstraßen, von denen vier wiederum durch eine parallel zur Heerstraße verlaufende Querstraße untereinander verbunden waren, zwei Wege führten an die Oker. Diese so entstandene Parzellierungsstruktur ist bis heute fast unverändert geblieben. Nicht vergessen werden darf jedoch, daß die Heerstraße und die anderen Straßen nicht mehr als festgetretene Wege waren, zeitweise so ausgefahren, daß die Fuhrleute andere Wege durch die halchtersche Feldmark suchten.

Erst 1907 wurde die Goslarer Heerstraße im Dorf mit Mansfelder Kupferschlackesteinen gepflastert, noch bis ins 19. Jh. bestanden die Wege im Dorf zum größten Teil aus Knüppeldämmen. Im Zusammenhang mit den Straßenbesserungsarbeiten 1907 wurden auch die Abwassergräben, die das Dorf durchzogen, zugeschüttet und durch eine Regenwasserkanalisation ersetzt.

Die Bebauungssituation im südlichen Bereich des historischen Dorfteils war 1747 bestimmt durch die Kirche mit Pfarre und Schule bzw. Haus des Opfermanns (Int.-Verz. Nr. 2,3,4), die Ackerhöfe von Prigge und Löhr (int.-Verz. Nr. 5,6) sowie das Rittergut (Int.-Verz. Nr.1). Geringfügig verändert wurde diese Situation durch Verlegung des Weges – heute: An der Kirche – direkt an das Kirchengelände im Zusammenhang mit der Einbeziehung des ehemaligen Schulgrundstückes in den Wirtschaftskomplex des Rittergutes (1866), weiterhin durch den Abriß des Prigge’schen Ackerhofs (1818) sowie der Verlegung der Wohngebäude des Ritterguts auf die gegenüberliegende westliche Seite der Heerstraße (1819).

Die Hofanlagen im nördlichen Bereich bilden eine langgestreckte Haufensiedlung mit Zwei- oder Dreiseithofanlagen, wobei die giebeiständige Nord-Süd Aufreihung von Dreiseithöfen entlang der Harzburger Straße dorfbildprägend wirkt.23 Die Karte 1747 zeigt entlang der noch nicht schnurgerade verlaufenden Heerstraße hauptsächlich Zweiseithofanlagen, die, wie auch die meisten anderen Hofstellen, Ost-West ausgerichtet waren. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude, deren Eingänge in der Regel an der dem Hof zugewandten südlichen Seite waren, beherbergten zumindest auch den Pferdestall. Die Viehställe sind gleichfluchtend in Firstrichtung angesetzt, teilweise auch durch Erweiterungsbauten quer errichtet worden. Den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden gegenüber lagen die Scheunen, durchweg mit auBermittiger Längseinfahrt und hofseitiger Quereinfahrt.

Die Begradigung der Heerstraße wurde bereits um 1750 mit dem Abriß des Hirtenhauses (Int.-Verz. Nr. 11) eingeleitet, das als Fachwerkhaus auf der westlichen Seite der Heerstraße neu errichtet wurde.

Sehr ungünstig an der Oker gelegen waren der Kothof Nr. 14, die Halbspännerstellen Nr. 26 und 33. Wegen des häufigen Hochwassers mußte auch die Hofstelle Nr. 33, deren Gutsherr das Kloster Steterburg war, vermutlich Anfang des 18. Jh. abgerissen werden. Der Hof wurde als Nr. 34 direkt an der Heerstraße am nördlichen Dorfrand neu aufgebaut. In diesem Bereich, Ober die heutige Schlesische Straße zu erreichen, liegt der Ackerhof ass. 1 (Int.-Verz. Nr. 30), eine Vierseitanlage mit heute gepflastertem Hofplatz und mittigem Baum in einem Rasenrondell. Die ältesten Gebäudeteile stammen vom Anfang des 19. Jh., die auffällige Remise mit Kornboden ist 1900 erbaut worden. Dieser sowie der spätere Priggesche Ackerhof waren Halchters „Burgemeierhöfe“, wie die Meierhöfe der Klöster, Kirchen oder Hospitäler der Stadt Braunschweig genannt wurden.

Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Kothofs Nr. 18 (Zum Okerstrand 8) ist wohl das älteste erhaltene Haus des Dorfes, das bis auf wenige Gefügeänderungen aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. stammt. Der Kothof war einer von vier, die die von Hantelmann als Asseburgisches Lehen seit 1655 in Halchter hielten. Es war der Stammhof der Familie Scheppelmann, die zum ersten Mal 1619 (Ebeling Scheppelmann) in einer Steuerliste erschienen.

Außer den bereits erwähnten Gebäuden entstanden im 19. Jh. auf der westlichen Seite der Heerstraße die Anbauersiedlung „Am Ziegenberg“, das wegen seiner Bauweise aus Ziegelsteinen sogenannte „Rote Schloß“ sowie die „Quadrillenburg“ (ass. 28) als Wohnhaus für die Gespannführer des Rittergutes. Die Anbaueranwesen der zweiten Hälfte des 19. Jh. waren zweigeschossige Fachwerkbauten unter Sattel- oder Knüppelwalmdach. Die kleinen Wirtschaftstrakte sind meist giebel- oder längsseitig angesetzt oder liegen hofbildend parallel zum Wohnhaus. Um 1870 entstand weiterhin die sogenannte „Lange Reihe“, später Harzburger Straße 5. Die 12 Wohnungen für Landarbeiter waren hintereinander angeordnet. Sie wurden 1978 abgerissen.

Abzweigend vom Alten Holzweg wurde 1926 die „Neue Straße“, heute Sonnenstraße, parallel zur Harzburger Straße angelegt, womit die weitere Erschließung des westlichen Dorfbereichs mit massiven zweigeschossigen Wohnhäusern fortgesetzt wurde.

Die Bebauung des Gebietes Sonnenstraße/Siedierstraße war um 1965 abgeschlossen. Es folgte das Wohngebiet „Oderblick“ im Zeitraum von 1965 bis 1970, das durch Ratsstraße, Bernardusring und Hans-Stein-Straße erschlossen wird.

Die Bebauung wurde mit Geschoßeigenheimen, Reihenhäusern und viergeschossigen Wohnhäusern durchgeführt. Zeitgleich begann die Bebauung im Gebiet“lm Vogelsang“ und „Parkweg“ mit hauptsächlich Eigenheimen. 1966 wurden auch alle Straßen im Dorf, die bis dahin nur mit einer Schotterdecke versehen waren, mit einer Schwarzteerdecke überzogen. 1967 wurde das Dorfgemeinschaftshaus mit Feuerwehrgeräteraum am Alten Holzweg fertiggestellt, das 1974 um einen Anbau für die Feuerwehr und einen Versammlungsraum erweitert wurde. Im Gewerbegebiet am Nordrand des Dorfes siedelte sich 1961 ein Landmaschinengroßhandel, 1984 ein Auto- und Gebrauchtwagenhandel sowie der Technische Überwachungsverein (TÜV) an.

 Um 1900 erhielt die Harzburger Straße die ersten Laternen, die noch von einem Nachtwächter entzündet werden mußten. Eine andere Straßenbeleuchtung gab es davor nicht. Die Beleuchtung in den Wohnungen stammte in der Zeit noch vom Feuer im Kamin, von Kien- oder Buchholzspänen, von Mohnöl- oder Petroleumlampen und von Wachskerzen, die allerdings recht kostspielig waren. An das Stromnetz wurde Halchter 1913 angeschlossen, bedingt durch den 1. Weltkrieg dauerte es jedoch bis 1922, ehe alle Häuser mit Strom versorgt werden konnten. Es dauerte noch 35 Jahre, bis die letzten Ziehbrunnen und Wasserpumpen aus dem Dorf verschwanden und Halchter an das Trinkwassernetz angeschlossen wurde. Bereits vor dem 2. Weltkrieg lag ein Angebot der damaligen „Reichswerke“ Salzgitter vor, Halchter an das Trinkwassernetz anzuschließen, es wurde jedoch nicht angenommen. 1965/66 wurde das gesamte Röhrennetz der Abwasserkanalisation im Dorf fertiggestellt und in Betrieb genommen. 1984 erfolgte der Anschluß an das Gasnetz der Stadt Wolfenbüttel.

 Seit 1985 ist Halchter im Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommene Aufgabe der Dorferneuerung ist „historisch Gewachsenes möglichst zu bewahren und gleichzeitig dem Funktionswandel ländlicher Siedlungen Rechnung zu tragen.“ (Dorferneuerungsrichtlinien -DorfR-) Die Dorferneuerung soll „insbesondere dazu beitragen,

  • die besondere Eigenart der ländlichen Siedlung zu stärken,
  • ländliche Siedlungen als Standort land- und forstwirtschaftlicher Betriebe zu erhalten und zu verbessern,
  • Anstöße für eine langfristige sinnvolle Dorfentwicklung und für weitere private und öffentliche Investitionen zu geben.“ (DorfR, gekürzt v. Verf.)

 Das Land fördert durch Zuschüsse sowohl Maßnahmen im öffentlichen Bereich, wie z. B. bei der Verbesserung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse – hier wäre u. a. die ansprechende Gestaltung der Harzburger Straße zu nennen – als auch Maßnahmen im privaten Bereich, wie z. B. bei der Erhaltung und Gestaltung land- und forstwirtschaftlich genutzter Bausubstanz.

 Nach einer Bestandsaufnahme erfolgte die einjährige Planung, an der die beauftragte Architektengruppe, die öffentliche Verwaltung, der Ortsrat und Einwohner beteiligt waren. Die Ergebnisse mit den zu treffenden Maßnahmen sind dargestellt in dem Buch:

„Dorferneuerungsprogramm Halchter.“

Bereits 1988 wurden zahlreiche Vorschläge im privaten Bereich, z. B. an Zäunen, Dächern, Giebeln und Vorbauten, verwirklicht. Den öffentlichen Maßnahmen vorangestellt ist die

„Umgestaltung der Harzburger Straße/B4. Durchführung des ersten Bauabschnittes Teilaufbruch der Mehrzweckstreifen und Baumpflanzungen.“

Die stark befahrene Straße – eine erhebliche Verminderung der Verkehrsdichte ist durch den Bau der A 395 zu erwarten – soll ihren das Dorf zerschneidenden und trennenden Charakter verlieren. Das Dorfbild wird damit wieder jener Situation angenähert, wie sie auf dem Luftbild von 1938 noch zu erkennen ist. Aber wie schrieb man unter der Überschrift:

„Neuzeitliche Gestaltung, Verbreiterung der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 4“ noch im August 1965:

„Halchter. Zur Zeit geben sich in Halchter viele Baufirmen ein Stelldichein, um die Ortschaft nicht nur zu verschönern, sondern auch den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden.“ Und am Schluß: „Für die Einwohner ist es erfreulich, daß so viele Bauvorhaben und Pläne verwirklicht werden. Denn sie möchten nicht hinter der Entwicklung anderer Ortschaften zurückstehen.“

 Straßen- und Wegenamen

In Klammern sind die früheren Namen der Straßen und Wege angegeben. Im Rahmen der Gebietsreform und der damit verbundenen Eingemeindung Halchters kam es wegen Doppelbenennungen in den Ortstellen am 1. Juli 1974 zu den umfangreichsten Änderungen (1974 = Name bis zum 30. Juni 1974).

Harzburger Straße (Goslarer Heerstraße; 1974: Hauptstraße)
Pommersche Straße
Reiterstieg (1974: Klint)
Wasserstraße
Zum Okerstrand (1974: Schmiedestraße)
An der Kirche (1974: Kirchstraße)
Parkweg (1974: Gartenstraße)
Alter Holzweg (Viehtrift; 1974: Oderstraße; Am Dorfplatz)
Im Vogelsang
Sonnenstraße (1974: Neue Straße)
Ziegenberg
Siedlerstraße (1974: Sudetenstraße)
Bernardusring (benannt nach „Bernardus de Halchtere“, ritterliche Familie des 13./14. Jh.)
Hans-Stein-Straße (Einwohner des 16./17. Jh., der 115 Jahre alt geworden sein soll)
Ratsstraße (1974: Elmstraße)
Im Sommerfeld

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